Der Wärmesektor in Polen erfüllt als zentrale Branche grundlegende gesellschaftliche Bedürfnisse, wird in seiner Bedeutung jedoch unterschätzt In Diskussionen über Energiesicherheit oder Umweltauswirkungen wird er häufig lediglich als Randaspekt der Stromwirtschaft behandelt. Dabei verfügt der polnische Wärmemarkt über ein beachtliches Potenzial und gliedert sich in drei deutlich unterscheidbare Segmente:
- Fernwärme – fast 400 konzessionierte Unternehmen (über 5 MW in einer Wärmequelle) sowie ein nicht konzessionierten Teil – gesamte Wärmeproduktion: ca. 400.000.000 GJ/Jahr,
- Wärmeerzeugung für den Eigenbedarf oder in nachbarschaftlicher Form (kleine Wärmequellen für ein oder mehrere Gebäude sowie in der Landwirtschaft) – gesamte Wärmeproduktion: ca. 500.000.000 GJ/Jahr,
- industrielle Wärmeerzeugung für den Eigenverbrauch – ca. 200.000.000 GJ/Jahr.
Insgesamt sprechen wir also von 1,1 Milliarden GJ Wärme, die jährlich in Polen für Wohn-, Produktions-, Handels- und Landwirtschaftszwecke erzeugt werden. Diese Zahl beinhaltet selbstverständlich auch Wärmeverluste im Übertragungsprozess sowie den Eigenbedarf der Wärmeerzeugungsanlagen.
Geht man – stark vereinfacht – von unvermeidbaren Verlusten und Eigenbedarfen der Wärmequellen in Höhe von 15–20 % aus, so ergibt sich ein nutzbarer Wärmestrom von etwa 900 Millionen GJ pro Jahr, der die Grundlage für Optimierung und Einsparungen darstellt.
Der Wärmemarkt gliedert sich in den organisierten Teil – vor allem konzessionierte Fernwärme und Industrie – sowie die individuelle Wärmeerzeugung für den Eigenbedarf. Je nach Bereich unterscheiden sich Möglichkeiten, Umfang, Instrumente und Zeiträume zur Erzielung von Einsparungen deutlich. Nicht immer ist der Rückgriff auf fortschrittliche IT-Systeme sinnvoll. Für Fernwärme, Industrie und – allgemeiner – für Städte scheint eine solche Unterstützung jedoch unerlässlich.
Warum die Branche sich verändern muss
Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir verstehen, wo sich der Wärmemarkt heute befindet und welchen Veränderungen er sich stellen muss – sowohl natürlichen als auch erzwungenen. Seit einigen Jahren befinden wir uns bereits im Transformationsprozess und stehen – im Zusammenhang mit der russischen Aggression gegen die Ukraine – wahrscheinlich am Vorabend drastischer Veränderungen im Markt für Wärmeerzeugung und -versorgung.
Dieser beschleunigte Wandel ergibt sich aus der Notwendigkeit, sich von fossilen Brennstoffen aus Russland zu lösen, der konsequent umgesetzten Klimapolitik der Europäischen Union, der Entwicklung von Technologien für erneuerbare Energien (EE) sowie aus Veränderungen im Verbraucherverhalten.
Bereits vor dem Kriegsausbruch begann für die polnische Fernwärme eine Wende, verbunden mit ehrgeizigen EU-Programmen – dem Green Deal und später Fit for 55.
Verglichen mit der Vergangenheit der Branche kann man die späten 1990er-Jahre erwähnen, als neue Vorschriften zur Abrechnung der Wärmeversorgung und zur Genehmigung von Wärmetarifen in Kraft traten. Damals kam es zu einer Art Revolution, die zu einer starken Reduzierung der bestellten Leistung und des Wärmebedarfs der Verbraucher führte. Dies war ein entscheidender Schritt in Richtung einer tiefgreifenden Umstrukturierung der Wärmeversorgungsunternehmen und der Modernisierung von Erzeugeranlagen und Netzen.
Damals waren die Wärmelieferanten die aktive und dominierende Partei, die Lösungen vorgab und diese Veränderungen gestaltete. Heute ist es oft umgekehrt – die Verbraucher sind ihren Wärmelieferanten häufig voraus. Ihr Bewusstsein und ihre Bedürfnisse im Umgang mit Wärme ändern sich rasch. Sie verfügen über neue technische und finanzielle Möglichkeiten, die es ihnen erlauben, in eigene Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien zu investieren und dadurch Veränderungen bei den Wärmeversorgungsunternehmen zu erzwingen. Sparsamkeit und Ökologie liegen „im Trend“.
Fernwärmeunternehmen als Treiber des positiven Wandels
Es ist entscheidend, sich aktiv an diesem Wandel zu beteiligen. Fernwärmeunternehmen können ihr Potenzial und ihre Stellung auf dem lokalen Wärmemarkt nutzen, um eine führende Rolle bei der Gestaltung der Fernwärmepolitik in einer Stadt zu übernehmen und damit die Energiepolitik mit voranzutreiben.
Natürlich waren die letzten Jahre für die Fernwärmeunternehmen schwierig. Die Herausforderungen durch die notwendige Modernisierung der Wärmequellen sowie die Lage am Brennstoff- und CO₂-Zertifikatemarkt haben Rentabilität und Zustand der Branche geschwächt. Doch das bedeutet nicht Stillstand – im Gegenteil. Wer jetzt die Chance nicht nutzt und seinen Kunden keine neuen Dienstleistungen anbietet, wird Marktanteile verlieren.
Die Kraft der Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Fernwärmeunternehmen
In Zeiten der Krise auf dem Brennstoffmarkt und der dringenden Notwendigkeit, sich von Energiequellen aus Russland unabhängig zu machen, ist es wichtig, die verfügbaren Ressourcen und Erzeugungskapazitäten so effizient wie möglich zu nutzen. Gleichzeitig ist es unerlässlich, die Gewohnheiten der Stadtbewohner zu verändern und das Bewusstsein für Energie- und Umweltfragen zu stärken.
Um ein effizientes Energiesystem für eine gesamte Stadt aufzubauen, müssen enorme Informationsmengen erfasst, analysiert und sinnvoll genutzt werden. Heutzutage können wir problemlos große Datenmengen über das tägliche Verhalten und die Bedürfnisse der Einwohner sowie über die städtische Infrastruktur sammeln. IT-Systeme sind unverzichtbar, um diese Daten effizient und in großem Umfang zu erfassen, zu analysieren, Optimierungspotenziale zu identifizieren und schließlich komplexe Prozesse zu überwachen.
Die Digitalisierung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Versorgungsunternehmen können als vertrauenswürdige Partner fungieren, die diese Daten sicher nutzen, um das Leben der Stadtbewohner sowie die Abläufe öffentlicher Einrichtungen und Unternehmen komfortabler und effizienter zu gestalten. Und nicht zuletzt auch umweltfreundlicher.
Um eine möglichst große Wirkung zu erzielen, müssen die umfangreich gesammelten Daten sinnvoll eingesetzt werden. Die Verknüpfung geografischer Informationssysteme (GIS), SCADA-Systeme sowie Analyse- und Abrechnungssysteme steht in der Regel im Mittelpunkt der IT-Infrastruktur von Fernwärmeunternehmen. Ergänzend können kartografische, städtebauliche und planerische Informationen der Kommunen genutzt werden. Darüber hinaus lässt sich die Analyse um zahlreiche Informationen erweitern, die anderen Infrastrukturunternehmen und den Stadtbewohnern zur Verfügung stehen.
Ist es möglich, all diese Informationen in einem einzigen effizienten und sicheren Datensystem zusammenzuführen? Können diese Daten für umfassende Analysen aus unterschiedlichen Perspektiven genutzt werden, um beispielsweise Optimierungsstrategien für den lokalen Wärmemarkt zu entwickeln?
Selbstverständlich ist das möglich. Allerdings haben viele Städte auf diesem Weg noch eine lange Entwicklung vor sich. Eine Umkehr scheint jedoch ausgeschlossen. Das Konzept der Smart City ist bereits seit vielen Jahren bekannt. Ein wesentlicher Bestandteil einer solchen modernen Stadt ist zweifellos ein wirtschaftliches und effizientes Energiemanagement.
Die Fernwärmebranche muss den städtischen Energiemarkt aus einer umfassenderen Perspektive betrachten. Dafür ist ein Umdenken erforderlich: Es muss erkannt werden, dass es innerhalb und im Umfeld der bestehenden städtischen Wärmeverteilnetze nicht nur Verbraucher, sondern auch Erzeuger von Wärme und Strom gibt.
Der Ausbau erneuerbarer Energien, die Nutzung von Abwärme aus industriellen Produktionsprozessen sowie die Speicherung von Wärme oder Strom in dezentralen Kleinanlagen sind Entwicklungen, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Weder die Fernwärmebranche noch die Städte selbst dürfen diese Trends unterschätzen. Vielmehr sollten sie die damit verbundenen Chancen aktiv nutzen.
Fernwärmeunternehmen sollten im eigenen Interesse und gewissermaßen auch im Auftrag der Kommunen Daten über den Energiebedarf der Einwohner sowie über die Energieerzeugungsanlagen sämtlicher Einrichtungen im Stadtgebiet erfassen und analysieren.
Wärme aus erneuerbaren Energiequellen
Ein Fernwärmenetz kann die eigenen Wärmeerzeugungsanlagen durch die Einbindung externer Wärmeströme wirkungsvoll unterstützen. Darüber hinaus kann es als eine Art „Batterie“ für überschüssigen Strom aus Photovoltaikanlagen dienen. Dies ist besonders relevant, da die Niederspannungsnetze vielerorts nicht ausreichend leistungsfähig sind und Photovoltaikanlagen bei hoher Sonneneinstrahlung zeitweise abgeregelt werden müssen. Dadurch entstehen messbare Verluste, und die ursprünglich geplante Energieeinspeisung wird reduziert – obwohl diese Energie zu anderen Tages- oder Jahreszeiten sinnvoll genutzt werden könnte.
Denkbar ist ein Modell, von dem sowohl Betreiber von Photovoltaikanlagen als auch Fernwärmeunternehmen profitieren. Photovoltaikanlagen werden zunehmend mit effizienten Wärmepumpen kombiniert. Dadurch entsteht die Möglichkeit, überschüssigen Solarstrom in Wärme umzuwandeln und diese in das lokale Fernwärmenetz einzuspeisen.
Meiner Ansicht nach wäre es möglich, ein Verrechnungsmodell nach ähnlichen Prinzipien wie im Strommarkt einzuführen, beispielsweise mit einem Verhältnis von 70 zu 30. Intelligente Messsysteme könnten dabei den Bezug und die Einspeisung von Wärme an einem einzigen Anschlusspunkt erfassen und abrechnen. Die im Sommer eingespeiste „überschüssige“ Wärme könnte anschließend im Winter rechnerisch wieder bezogen werden.
Dafür wären allerdings regulatorische Anpassungen erforderlich, insbesondere bei der Gestaltung der Wärmetarife. Dennoch liegt meiner Überzeugung nach genau darin die Zukunft.
Eine solche Entwicklung setzt selbstverständlich einen grundlegenden Wandel der Fernwärmesysteme in Richtung Wärmenetze der vierten Generation (4.0) voraus, also hin zu Niedertemperaturnetzen. Als erster Schritt könnten auch kleinere, lokal begrenzte Inselnetze dienen.
Ein unverzichtbarer Bestandteil dieser Transformation wird eine flexible Wärmeerzeugung sein, die sich an die Zusammenarbeit mit dezentralen, prosumerbasierten Energiequellen anpassen kann.
Digitalisierung als Effizienztreiber
Ohne fortschrittliche IT-Werkzeuge und -Systeme wird es schwer, voranzukommen. Digitalisierung eröffnet die Möglichkeit, die Prozesse der Wärmeerzeugung und -verteilung so weit wie möglich zu optimieren und zu verschlanken. Dies ist entscheidend in einer Realität, die sich sehr dynamisch verändert.
Die Aussicht auf erhebliche Einsparungen kann die Umsetzung oder Weiterentwicklung der Digitalisierung in einem Unternehmen inspirieren. Doch es geht nicht nur um den Kauf von Software. Sie muss maßgeschneidert und optimal sein. Nur dann können die erwarteten Einsparungen maximal ausgeschöpft werden.
Bei ConnectPoint sind wir überzeugt, dass die Vorteile von KI und IT-Systemen mit der Erfahrung und dem „Gespür“ des technischen Personals eines Unternehmens kombiniert werden müssen. Dies ist das beste Rezept für erfolgreiche Implementierungen und für die Anpassung der Software an die Bedürfnisse des Unternehmens und seiner Mitarbeiter.
Gleichzeitig verfügen wir über eine solide technologische Grundlage, umfangreiche Erfahrungen aus bisherigen Implementierungsprojekten und setzen auf eine enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Dadurch sind wir in der Lage, auch fortschrittliche Technologien wie Predictive Maintenance, Digital Twins oder zuverlässige Produktionsprognosen erfolgreich zu implementieren.
So können wir ein Betriebs- und Leistungsniveau erreichen, das sowohl den unternehmerischen Zielen als auch den Erwartungen der Kunden gerecht wird – heute und in Zukunft.
ConnectPoints Mission ist es, Organisationen eine einzige „Source of Truth“ über ihre Infrastruktur bereitzustellen. Wir schaffen eine vertrauenswürdige Plattform mit den operativen Daten, die Unternehmen für den Erfolg der Digitalisierung benötigen. Dazu gehören Echtzeitüberwachung und Automatisierung von in der Organisation gängigen Berichten wie Schichtprotokollen oder Produktions- und Vertriebsanalysen. Ziel ist es, Prozesse transparent zu machen, Doppelarbeit zu vermeiden sowie Werkzeuge und Analysen bereitzustellen, um Abläufe weiter zu optimieren und künftige Ziele zu entwickeln.
Wir bieten bereits Softwarelösungen an, die die Optimierung der Wärmeerzeugung, -verteilung und des Wärmeverbrauchs in Gebäuden unterstützen. Unser System ist flexibel und ermöglicht die Überwachung und Analyse unterschiedlicher Wärme-, Energie- und Medienströme sowie der damit verbundenen technologischen und geschäftlichen Prozesse.
Wir stellen leistungsfähige Werkzeuge für die Verarbeitung und Analyse sehr großer Datenmengen bereit. Unsere Software zur Optimierung des Wärmeverbrauchs kann sowohl in einzelnen oder mehreren Gebäuden als auch im gesamten System – von der Wärmeerzeugung über die Verteilung bis hin zum Verbrauch – eingesetzt werden.
Dies sind die Grundlagen für den Aufbau eines umfassenderen Systems, das den beschriebenen Herausforderungen gerecht wird. Es ist ein wesentlicher Beitrag zur Transformation der Fernwärmeunternehmen auf den Standard 4.0 und letztlich zum Aufbau eines kohärenten und modernen Lokalen Energiemarkts in jeder Stadt – eines Systems, in dem der lokale Fernwärmelieferant eine wichtige Rolle spielen wird.
Bei ConnectPoint können wir Ihnen dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen.